Die modernen Verwaltungsstrukturen in Bayern entwickelten sich nach dem Ende des alten Reiches. 1862 wurden im Rahmen einer Verwaltungsreform Städte und Gemeinden wurden zu Bezirken zusammen gefasst, Rechtssprechung von Verwaltung getrennt. Diese Bezirke blieben beinahe unverändert bis zur Gebietsreform in den 1970igern bestehen. Zwischenzeitlich machten sie lediglich eine Namensänderung durch: 1939 wurden aus den Bezirken die Landkreise. Diese Hintergrundinformation ist notwendig, wenn man mit Quellen arbeitet, die vor der Gebietsreform entstanden sind, beispielsweise den „Kunstdenkmälern des Königsreichs Bayern“.
Nehmen wir den Bezirk Bogen, der 1972 im Landreis Straubing-Bogen aufgegangen ist. Der Bezirk bewahrt einen reichhaltigen Denkmalschutzbesitz“ steht dort im Band 20 von 1929 zu lesen. Auf den 513 Quatratkilometern lebten 1925 nicht einmal 33.000 Einwohner. Diese verteilten sich auf 49 Gemeinden und 924 einzelne Ortschaften. Haupterwerbszweige waren zu dieser Zeit die Land- und Holzwirtschaft.
Bevor das Gebiet des Bezirksamtes Bogen an die Wittelsbacher kam war es der Sitz der mächtigen Grafen von Bogen. Von deren Wappen stammen die weiß-blauen Rauten, die jedermann mit Bayern in Verbindung bringt. Die Wittelsbacher übernahmen nach aussterben des Grafengeschlechts nicht nur deren Ländereien, sondern eben auch diese Rauten.
Kunsthistorisch äußerst bedeutend ist die Klosterkirche Windberg, die sich noch recht unverfälscht im romanischen Baustil präsentiert. Die Spätgotik ist hingegen das bestimmende architektonische und kunsthistorische Element der bekannten Wahlfahrtskirche auf dem Bogenberg. Die Renaissance hat nur wenige Vertreter in der Region. In diese Epoche fällt das Münster von Oberaltaich. Die Friedhofskapelle von Haselbach zeigt sich auf bemerkenswerte Weise im frühen Barock. Sogar die originale Innenausstattung blieb erhalten.
Im Gegensatz zu kirchlichen Bauten haben nur wenige profane Denkmäler die Stürme der Zeit überstanden. Der Bezirk war im Mittelalter bis in die frühe Neuzeit hinein reich an Edelmannsitzen, von denen allerdings die meisten nur als Ruinen erhalten sind. Da auf dem Gebiet auf keine Stadt bestand, sondern mit Bogen lediglich ein Markt, ist die Anzahl der bürgerlichen Bauten sehr gering. Das ehemalige Geschichtsschreiberhaus (17. Jahrhundert) in Schwarzach und das Rathaus in Bogen gehören zu den Ausnahmen.
Die Industrialisierung hat einen großen Bogen um Bogen gemacht. So ist eines der wenigen bemerkenswerten Industrieanlagen die kurfürstliche Weißbierbrauerei in Schwarzach.
